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Dadurch verunsicherte Betroffene, Angehörige und Betreuer fragen verängstigt nach, „Ist das denn bei Euch auch so?“ – Natürlich nicht! Und wenn es so wäre, dann müssten in den Pflegeheimen der Träger der freien Wohlfahrtspflege in Chemnitz ca. 400 Pflegebedürftige hungern und dürsten, denn mehr als 1200 Pflegeheimplätze werden in Verantwortung dieser Träger hier in Chemnitz angeboten. Eine ähnliche Situation kann im Bereich der ambulanten Pflege benannt werden. Um in Verantwortung mit dem Thema umzugehen, wenden wir uns mit diesem Offenen Brief an politisch Verantwortliche in unserer Stadt und an die Öffentlichkeit.
Die Träger der freien Wohlfahrtspflege distanzieren sich von dem undifferenzierten Negativimage in den Medien, leider auch in der Lokalpresse. Schwarze Schafe sollen doch bitte konkret mit Namen genannt werden! Renditeerwartung und Altenpflege passen nicht zusammen!
Das eigentliche Thema ist eine gesellschaftspolitische Problembeschreibung, die in die Öffentlichkeit gehört, um eine Willensbildung zur Veränderung und damit Verbesserung zu erreichen. Dieser Ansatz wird von den Trägern der freien Wohlfahrtspflege unterstützt, um die Rahmenbedingungen zu verändern. Das System benötigt mehr finanzielle Mittel, mehr an gesellschaftlicher Wertschätzung und eine deutliche Stärkung der Eigenverantwortung. Die zunehmende Entsolidarisierung zwischen den Generationen in der Gesellschaft kann allein vom Konstrukt Sozialstaat finanziell nicht ausgeglichen werden.
Gleichwohl erachten wir eine differenzierte Betrachtung und Bewertung für angemessen. Wir wollen diese Negativschlagzeilen nicht so einfach stehen lassen, weil damit eine ganze Trägerlandschaft, jeder einzelne Träger und insbesondere die Mitarbeiterschaft in ein völlig ungerechtfertigtes Bild gerückt wird. Das entspricht nicht der Realität, nicht dem Selbstverständnis der Träger und demotiviert die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erheblich. Wir sind der festen Überzeugung, dass unsere Mitarbeiterschaft eine fachlich hochwertige, motivierte und engagierte Arbeit unter den gegebenen Rahmenbedingungen leistet. Das kann und darf nicht durch Negativschlagzeilen beschädigt werden.
Nicht, dass wir immer und überall alles richtig machen. Mit Beschwerden und Kritik können wir verantwortlich umgehen. Alle Träger haben belastbare Strukturen und funktionierende Qualitätssicherungssysteme. Bei einer der letzten Überprüfungen in einem unserer Heime durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen wurden im Rahmen der Überprüfungen 10 Bewohner nach dem Zufriedenheitsgrad befragt. 9 davon konnten mit der Fragestellung umgehen und haben diese durchaus positiv beantwortet. Die Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium, dem Referat Heimaufsicht wird konstruktiv bewertet. Einen Verbleib im RP erachten wir als notwendig.
Unsere Arbeit ist das Ergebnis von Wünschen und Erwartungen sowie Pflichten aus den Verträgen auf der einen Seite und finanziellen Zwängen auf der anderen Seite. Darin steckt ein permanenter Widerspruch, der nicht durch zusätzliche Ängste gerade im Blick auf die Betroffenen verschärft wer-den sollte. Ängste beschädigen das notwendige Vertrauen, das für den ganzheitlichen Ansatz in der Pflege von grundsätzlicher Bedeutung ist.
Im gesellschaftlichen Kontext gibt es kaum eine Branche, die soviel zusätzliches Engagement von den Trägerstrukturen und der Mitarbeiterschaft verlangt, wie in der Altenhilfe. Das ehrenamtliche Engagement ist dabei ebenso wesentlich. Wenn hingegen Sozialpolitik keine weiteren Ansätze ver-folgt als die Kontrollorganisationen auszubauen und bürokratisch nachrüstet, dann ist das der fal-sche Ansatz. Eine Verteuerung des Systems im Überbau wäre die Folge und bei den Betroffenen kommt nichts an.
Besser als bürokratische, aufwändige und doch oft undurchsichtige Prüfverfahren des Staates sind da wettbewerbliche, transparente Lösungen unter Einbeziehung der Betroffenen. Nicht von ungefähr haben jene Heime die längsten Wartelisten, deren Qualität sich unter Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen herum gesprochen hat.
Das Qualitätsurteil und die Beschwerden dieser Menschen sollten wir sehr ernst nehmen: Es gibt keinen besseren Indikator für die Qualität der Pflege als die Stimmen der Bedürftigen und ihrer Angehörigen. Nur Transparenz und Wettbewerb schaffen wirkliche Qualitätsverbesserungen und vor allem ein Klima, in dem sich alle gleichermaßen für das Wohl der Pflegebedürftigen engagieren. Und den Betroffenen muss individuell schnellstmöglich geholfen werden.
Die Träger der freien Wohlfahrtspflege sind offen für die direkte Transparenz. Wir stehen zu unserer Arbeit und zu unserem Engagement, erbringen ein Mehr an Leistungen und gehen oft in Vorleistung, das bei aller politischer Debatte nicht außer Acht gelassen werden darf. Alle interessierten Bürger laden wir in unsere Häuser und Einrichtungen ein, um sich selbst eine Meinung zu bilden (z.B. Tag der offenen Tür im Altenpflegeheim „Am Zeisigwald“ am 20.10.2007).
Man sagt, getroffene Hunde bellen. Wir sind nicht getroffen, sondern betroffen, bellen nicht, sondern nehmen unsere Verantwortung wahr und melden uns zu Wort.
Für die Liga der freien Wohlfahrtspflege in Chemnitz
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