Portraitreihe über unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre Arbeit auch in Krisenzeiten meistern.

Portraitreihe über unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre Arbeit auch in Krisenzeiten meistern.

Unsere Krisenbewältiger

Portraitreihe über unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre Arbeit auch in Krisenzeiten meistern.

Unsere Krisenbewältiger - ein Blick hinter die Kulissen, Teil 8

Knut, der Chefeinkäufer

Der Club Heinrich ist für seine Besucherinnen und Besucher mehr als ein schlichter Tagestreff: Er ist ein fester Anker der Freizeitgestaltung. Seine Schließung für die Menschen mit Behinderung, die von Besuchsverboten und der vorübergehenden Schließung der Partner-Werkstätten ohnehin schon stark betroffen waren, ein Super-GAU. Mitarbeiter Knut Morgenstern hat die Schließzeit des Clubs daher aktiv genutzt, um das Leben für seine Klientinnen und Klienten so angenehm wie möglich zu gestalten: Mit Einkaufsdiensten, Spaziergängen auf Abstand und vielen langen Telefonaten.

Schon die ganze Woche sei komisch gewesen, erinnert sich Knut Morgenstern, ehe dann am 13. März (einem Freitag übrigens) der große Knall kam. Er weiß es noch, als wäre es gestern gewesen: Da herrschte gerade große Vorfreude auf eine Rüstzeit in Reudnitz, die in der Woche darauf starten sollte und auf eine Veranstaltung, die bereits in den Startlöchern stand – und dann kam der Anruf von Club-Leiterin Mandy Herrmann, dass der Club geschlossen werden muss.

Eine Hiobsbotschaft, doch Knut Morgenstern geht pragmatisch mit der schlechten Nachricht um: „Ich habe erstmal das ganze vorbereitete Essen zusammengepackt und in die Mobile Behindertenhilfe gebracht“, erinnert er sich, „und habe dann meine freigewordene Zeit neu geplant.“ Zunächst geht er alle liegengebliebenen Themen im Club Heinrich an, bringt die Räumlichkeiten zusammen mit seinen Kolleginnen in Schuss, es wird geputzt und geräumt. Eine gute Gelegenheit, um aufgelaufene Themen abzuarbeiten, findet er. Die übrige freigewordene Zeit investiert er dann in sein zweites Arbeitsgebiet, die WOLKEn, übernimmt dort Einkäufe, hält parallel dazu den Kontakt zu seinen Klientinnen und Klienten aufrecht. „Auch die Partner-Werkstätten waren ja geschlossen, es waren keine Besuche möglich. Das war für einige Klientinnen und Klienten nicht gerade leicht. Also habe ich mit vielen häufig telefoniert und später war ich dann auch mit einigen auf Abstand draußen spazieren“, erinnert er sich. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf seine Klientinnen und Klienten seien ganz unterschiedlich gewesen, einige haben die Situation sehr gut verkraftet, andere sind in ein richtig tiefes Loch gefallen – und haben auch lange gebraucht, um da wieder heraus zu kommen.

Doch hatte das Ganze durchaus auch positive Auswirkungen: Um die Bewohnerinnen und Bewohner der WOLKEn bestmöglich zu betreuen, waren die Alltagsassistentinnen und -assistenten in der Zeit häufiger vor Ort und hatten so viel mehr Zeit für die Betreuung: „Es war trotz aller Umstände eine sehr positive, sehr intensive Zeit und hat auch die Verbundenheit zu den Bewohnerinnen und Bewohnern der WOLKEn gestärkt“, resümiert Knut Morgenstern. Und auch die Dankbarkeit seiner Klientinnen und Klienten wird er so schnell nicht vergessen: Etwa, wie glücklich eine seiner Klientinnen war, als sie endlich wieder mit ihm zum Einkaufen fahren durfte, nachdem sie wegen eines gebrochenen Fußes das Haus schon länger nicht verlassen konnte.

Und trotzdem waren alle froh, dass der Club Heinrich Ende Mai endlich wieder öffnen durfte. Dank vieler kreativer Ideen läuft der Alltag mittlerweile sogar fast wie vorher – einige Formate etwa wurden verlegt oder umgestaltet, das Oktoberfest auf zwei kleinere Gruppen aufgeteilt. Die Besucherinnen und Besucher sind dankbar: „Für viele ist das hier wie ein zweites Wohnzimmer, unsere Gäste sind ja auch untereinander verbunden und freuen sich auf die regelmäßigen Treffen“, so Morgenstern. „Es ist eine richtige Gemeinschaft.“

Vielen Dank für das Gespräch!

Unsere Krisenbewältiger - Ein Blick hinter die Kulissen, Teil 7

Jessica, Katrin und Thomas, die Arbeitsfamilie

Mehr Zeit für die zu betreuenden Klientinnen und Klienten und eine besonders intensive Zusammenarbeit im Team – auch das hat die Corona-Zeit mancherorts bewirkt. So auch in der Evangelischen Sozialstation in Kemtau. Leiterin Jessica Richter berichtet gemeinsam mit ihren beiden Kollegen Thomas Bunge und Katrin Demmler über den Schnatterdienst, schwierige Entscheidungen und eine Eingebung beim Toilettenpapierkauf.

Wie haben Sie die Hochphase der Corona-Zeit Anfang des Jahres in der Sozialstation Kemtau wahrgenommen?

Jessica Richter: Beruflich war die Zeit für uns sogar eher positiv: Wir hatten viel mehr Zeit für unsere Klientinnen und Klienten, da durch die Kontaktbeschränkungen einige Termine abgesagt wurden. Gerade zusätzliche Leistungen wie Einkaufsdienste beispielsweise sind fast komplett weggefallen. Das hat dafür gesorgt, dass wir für die verbliebenen Kundinnen und Kunden mehr Versorgungszeit hatten – und das war eigentlich richtig schön, für beide Seiten.

Die Sozialstationen in Kemtau und Chemnitz haben Mitte März einen Schnatterdienst eingerichtet – was ist das?

Jessica Richter: Das bedeutet, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beider Sozialstationen regelmäßig bei den Kundinnen und Kunden angerufen haben, die in der Zeit gerade nicht, oder weniger betreut wurden. So konnten wir in Kontakt bleiben und auch mal über die aktuelle Lage in der Welt, über Sorgen und Ängste sprechen. Das wurde sehr gut von allen angenommen!

Wie haben die betreuten Kundinnen und Kunden die Zeit generell wahrgenommen?

Thomas Bunge: Bei unseren Kunden gab es schon viel Unsicherheit, viele Ängste und Sorgen. Da war viel Einfühlungsvermögen nötig, ihnen die Veränderungen und die neuen Regelungen näher zu bringen. Wir haben oft mit ihnen gesprochen, gemeinsam abgewogen, was nötig ist. Das hat, obwohl vieles telefonisch lief, bei einigen die Bindung sogar noch gestärkt. Die Kommunikation war in der Zeit wirklich das A und O.

Jessica Richter: Einige Kunden haben uns auch abgesagt und meinten, sie schaffen das allein, aber wir wussten ja, dass sie diese Versorgung eigentlich schon bräuchten. Da hatten wir manchmal ein ungutes Gefühl und wir mussten einigen gut zureden.

Und Sie als Team?

Jessica Richter: Ich persönlich habe jeden Mitarbeiter noch viel mehr schätzen gelernt. Wir haben hier in Kemtau sowieso schon eine richtige Arbeitsfamilie und so eine Situation schweißt natürlich nochmal mehr zusammen. Das war für uns alle eine sehr intensive Zeit, die mit allen Mitarbeitern etwas gemacht hat. Außerdem lernt man in einer solchen Ausnahmesituation den Stellenwert einiger Berufsgruppen noch mehr zu schätzen: Jede Reinigungskraft, jede Fachkraft wird gebraucht und ist wichtig, damit die ambulante Versorgung laufen kann.

Trotzdem waren wir natürlich auch oft unsicher: Was ändert sich für uns, was müssen wir beachten, wenn wir die älteren Personen in ihrer Häuslichkeit versorgen, um unsere Kundinnen und Kunden, aber auch uns selbst zu schützen. Da war viel Flexibilität gefragt bei der Planung. Wir haben uns oft im Team abgestimmt und mit der Geschäfts- und Bereichsleitung standen wir im regen Austausch. Und bei Hygienethemen konnte ich mich sehr auf Katrin Demmler, unsere Hygienebeauftragte, verlassen. Das alles hat mich in meiner Arbeit sehr unterstützt.

Apropos Hygiene – hatten Sie Probleme mit der Beschaffung von Schutzausrüstung?

Katrin Demmler: Überhaupt nicht, wir waren die ganze Zeit über super ausgestattet. Ich habe sehr frühzeitig eine Riesenbestellung aufgegeben, sodass wir jederzeit alles dahatten, was wir brauchten und uns die Lieferengpässe kaum betroffen haben, also auch Mundschutze und Desinfektionsmittel – und auch Toilettenpapier natürlich. Ich hatte da schon Anfang März so ein Gefühl, dass wir das noch brauchen würden und damit lag ich offensichtlich richtig.

Vielen Dank für das Gespräch!

Unsere Krisenbewältiger - Ein Blick hinter die Kulissen, Teil 6

Grit, die Alleskönnerin

Normalerweise sind sie diejenigen, die die Meldungen der hauseigenen Notrufsysteme entgegennehmen. Durch Corona sind die Aufgaben des Hausnotrufes der Stadtmission Chemnitz allerdings exponentiell gewachsen – und um Themen wie Empfang, Wegweisungen Telefonseelsorge oder Informationsdienst erweitert worden. Wie das zu schaffen war, davon berichtet uns Grit Lange, die bereits seit über 20 Jahren im Hausnotruf arbeitet.

Frau Lange, wie hat sich Corona bei Ihnen in der Abteilung bemerkbar gemacht?

Die Hausnotrufzentrale befindet sich im Kreuzstift-Karre, neben Betreutem Wohnen, Haus Kreuzstift und der Evangelischen Sozialstation Chemnitz. Durch das Besuchsverbot und aus Sicherheitsgründen waren diese Einrichtungen allerdings ab Ende März nicht zugänglich – alle externen Besucherinnen und Besucher strandeten also zwangsläufig zunächst bei uns. Post, Apotheke, Handwerker, und auch diejenigen, die trotzdem zu ihren Angehörigen wollten. Auch alle Anrufe des Kreuzstift-Karrees sowie der Geschäftsstelle landeten bei uns – wir hatten während der Zeit täglich rund 50 Telefonanrufe mehr als normalerweise.

In diesen stressigeren Zeiten immer noch genau und konzentriert zu arbeiten – das ist sehr wichtig, aber auch anstrengend. Bei uns gehen zum einen Notrufe über das Hausnotrufsystem sowie Telefonanrufe von Interessenten oder Kundinnen und Kunden ein. Wenn ein Notruf eingeht, müssen wir also immer erstmal klären, ob es etwas Körperliches ist. Nach Abwägung verständigen wir, je nach Vereinbarung, den jeweiligen Pflegedienst, die Angehörigen oder direkt die Rettungsleitstelle. Auch wirken wir in der Wartezeit beruhigend auf den Hilfesuchenden ein. Oftmals drücken Kundinnen oder Kunden aber auch den Notruf, weil Sie einsam sind und Redebedarf haben. Besonders während des Lock-Downs war das wesentlich häufiger der Fall. Je nachdem, wie fit der- oder diejenige noch ist, geben wir in solchen Fällen auch die Telefonnummer der Telefonseelsorge weiter oder informieren die Angehörigen. Man braucht hier im Hausnotruf ein gutes Gespür für Menschen, muss sich aber oft auch ein Stück weit auf sein Gefühl verlassen und auf Erfahrungswerte zurückgreifen. Wir sehen denjenigen am anderen Ende der Leitung nicht. Es ist eine große Herausforderung und viel Verantwortung, die Situation immer richtig einzuschätzen.

Inwiefern haben sich die Anrufe noch verändert?

Neben unserem täglichen Geschäft, also den Notrufeingängen und Telefongesprächen, bekamen wir auch etliche Anrufe von Angehörigen der Bewohnerinnen und Bewohner des Pflegeheims, es gab viel Verunsicherung und viele Fragen aller Art. Eine Dame rief zum Beispiel bei uns an, ihre Nachbarin habe sich Zuhause ausgeschlossen, ob sie sie trotz Corona mit zu sich nehmen darf. Es gab sehr viele Anrufe zu emotionalen Themen, die man im Alltag selten thematisiert. Das war ganz anders als sonst.

Was war dabei die größte Herausforderung?

Die vielen unterschiedlichen Themen – es gab immer drei Sachen auf einmal, die wir zu erledigen hatten, die uns aus der normalen Arbeitsroutine gerissen haben. Und die teils sehr aufwühlenden Anrufe haben auch viel mit einem gemacht.

Und was lief während der Zeit gut?

Einige Kolleginnen und Kollegen hatten erstmalig die Möglichkeit im Home-Office zu arbeiten, das war gerade für diejenigen gut, die weit weg wohnen. Das hat super funktioniert und war eine gute Alternative. Aber auch der Zusammenhalt im Team war sehr gut, alle haben sich gegenseitig super unterstützt. Die Situation war zwar ungewöhnlich, doch in der Not ist vieles möglich!

Was hat Ihnen durch die Zeit geholfen?

Ich mache meine Arbeit einfach gern. Es ist sehr abwechslungsreich, die Arbeit im Hausnotruf – man drückt hier nicht nur auf einen Knopf und gut. Die Aufgaben sind sehr breit gefächert, normalerweise schreiben wir auch Angebote, bearbeiten Anträge, kümmern uns um die Technik. Das alles musste natürlich liegen bleiben – jetzt läuft das Tagesgeschäft langsam wieder an.

Ich habe immer ein großes Gottvertrauen, dass sich alles irgendwie wieder zum Guten wendet. Die Situation mit Corona hat mich zwar nachdenklich gemacht, aber ich war zu keiner Zeit ängstlich. Ich mache mir da nicht so einen großen Kopf, nach dem Motto: Es wird schon werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Unsere Krisenbewältiger – Ein Blick hinter die Kulissen, Teil 5

Iris, die Mutmacherin

Während der strengen Kontaktbeschränkungen im März und April war die Einsamkeit für viele Menschen ein großes Problem – das spürten auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TelefonSeelsorge deutlich. Mutmachen und Zuhören waren dort mehr gefragt denn je – zusätzlich zu einer beinahe kompletten Umstrukturierung der Arbeitsabläufe. Wie gut das geklappt hat und wie beeindruckt Leiterin Iris Ciesielski von ihrem Team ist, das hat sie uns in einem Interview erzählt.

Welchen Einfluss hatte Corona auf die TelefonSeelsorge Chemnitz?

Corona hat auch in unserer Abteilung sehr vieles verändert und auch die scheinbar erstmal kleinen Dinge hatten und haben immer noch eine große Auswirkung auf unsere tägliche Arbeit: Zum Beispiel fallen natürlich auch bei uns die persönlichen Treffen weg. Zwischen den Diensten wird der gesamte Arbeitsplatz gründlich desinfiziert und um Risiken zu minimieren sorgt eine viertelstündige Pause dafür, dass sich die Kolleginnen oder Kollegen nicht begegnen. Normalerweise passiert bei diesen Dienstwechseln aber so viel, schwierige Situationen werden ausgewertet, es wird sich über schöne Gespräche ausgetauscht – das alles fällt nun weg. Unser alljährliches Sommerfest und geplante Weiterbildungen mussten wir leider absagen. Die TelefonSeelsorge lebt auch von Austausch unter den Ehrenamtlichen und es ist sehr schwer, damit umzugehen.

Abläufe mussten umstrukturiert, neue Wege gesucht werden. Und darüber hinaus kamen plötzlich von überall Presseanfragen, um die ich mich kümmern musste - worüber wir uns natürlich sehr gefreut haben. Aber eine solche Aufmerksamkeit für unsere Arbeit in der Öffentlichkeit würden wir uns natürlich nicht nur in Krisenzeiten wünschen, sondern zu jeder Zeit.

Was war dabei für Sie und ihr Team die größte Herausforderung?

Dass physische Treffen nur unter strengen Auflagen möglich sind, stellt uns bis heute vor große Herausforderungen. Die 5 Supervisionsgruppen der TelefonSeelsorge treffen sich normalerweise regelmäßig, um über die Anrufe zu sprechen. Dafür gibt es ohnehin strenge Vorgaben und eine Schweigepflicht, da die Gespräche strikt anonym behandelt werden müssen. Nun kommen noch andere Beschränkungen dazu, da sich die Gruppen nicht mehr ohne weiteres treffen können. Wir haben zunächst auf Telefonkonferenzen umgestellt. Das war eine gewaltige Veränderung, sowohl für die Ehrenamtlichen als auch für die Supervisorinnen. Absprachen sind auf diesem Weg inzwischen gut möglich – aber in einer Telefonkonferenz über schwierige und emotionale Gespräche reflektieren: das ist noch mal etwas ganz Anderes! Und trotzdem haben sich alle darauf eingelassen. Davon war ich schwer beeindruckt!

Generell waren alle Ehrenamtlichen die ganze Zeit über unglaublich engagiert – einige von ihnen hatten beispielsweise durch den Wegfall von Freizeitaktivitäten mehr Zeit für das Ehrenamt und waren häufiger als sonst im Dienst. Das war am Ende ein Gewinn für beide Seiten. Von dieser großen Bereitschaft war und bin ich wirklich sehr beeindruckt!

Haben sich, neben Ihren Arbeitsabläufen, auch die Anrufe verändert?

Ja, auf jeden Fall. Wir hatten viele Anrufer, die sich einfach mal ohne Wertung ausquatschen mussten über die Veränderungen, die sich für sie ergeben haben. Über den Wegfall einer Reise, auf die man lange gespart hat, über das Gefühl, eingesperrt zu sein, über die Angst vor Ansteckung oder auch über das Leid, Angehörige im Pflegeheim nicht besuchen zu können. Aber auch Krisen in Partnerschaften kamen häufiger zur Sprache als sonst. Wir haben vielen Menschen Mut gemacht, Anstöße und Input gegeben, „einfach nur geredet“. Ganz allgemein werden die Anrufe immer ernster, es gibt kaum noch Scherzanrufe – aber diese Tendenz gibt es schon seit einigen Jahren und hat nicht unmittelbar etwas mit Corona zu tun.

Was hat Ihnen dabei geholfen, die Zeit so gut zu meistern?

Die größte Motivation für mich war: Zu sehen, zu merken, es ist nötig was wir machen. Dass es eine gute Sache ist, gerade für Menschen, die sonst überall eher durchs Raster rutschen. Und mal wieder zu sehen, wie gut das Konzept TelefonSeelsorge funktioniert. Für diese Arbeit brennt mein Herz, das hat mir diese Zeit einmal mehr deutlich gemacht.

Ich fand es außerdem gut, nicht allein zu sein. Dass wir mit der Stadtmission einen großen Träger hinter uns stehen haben und Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, wenn es mal brenzlig wird. Dazu gehört zum Beispiel auch Annette Buschmann, unsere Leiterin der Lebensberatung, die während der letzten Monate immer für die TelefonSeelsorge da war. Dafür bin ich sehr dankbar.

Vielen Dank für das Gespräch!

Unsere Krisenbewältiger - Ein Blick hinter die Kulissen, Teil 4

Die erste Besprechung des Tages fand täglich am Frühstückstisch statt.
Die erste Besprechung des Tages fand täglich am Frühstückstisch statt.
Ganz besonders während der Quarantäne war der Teamzusammenhalt: Auch schon mal beim gemeinsamen Sport nach der Dienstzeit.
Ganz besonders während der Quarantäne war der Teamzusammenhalt: Auch schon mal beim gemeinsamen Sport nach der Dienstzeit.

Das Team der „standhaften Sieben“

Vielleicht am intensivsten hat die Corona-Hochphase die Suchtfachklinik Magdalenenstift erwischt: Dort mussten im März sieben Kolleginnen und Kollegen gemeinsam mit 33 Patienten für 10 Tage lang in Quarantäne ausharren.

Kurz vor den strengen Ausgangsbeschränkungen im März kam sie, die Hiobsbotschaft: Eine Mitarbeiterin in der Suchtfachklinik Magdalenenstift wurde Corona-Positiv getestet. Eine Nachricht, die schnelles Handeln erforderte. Um ein Weiterverbreiten zu verhindern und Patienten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen, wurde an einem Freitag um 9:35 Uhr, daran erinnert sich Suchttherapeutin Janine Geiler noch ganz genau, eine Teamberatung einberufen – und binnen zehn Minuten der Entschluss gefasst: Alle Patienten sowie ein ausgewähltes Team an sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden sich bis zum Ergebnis zweier Corona-Tests in Quarantäne begeben. Und zwar unverzüglich.

Unverzüglich, das bedeutete: Ein Arzt, zwei Therapeuten, zwei Krankenschwestern, ein Ergotherapeut und eine Mitarbeiterin in der Küche fanden sich sofort und ohne zu zögern in kürzester Zeit zu dem Team zusammen, dass schon ab dem gleichen Tag im Haus bleiben wollte. „Das basierte natürlich auf Freiwilligkeit. Trotzdem haben wir auch geschaut, dass wir ein Team zusammenstellen, dass gut zueinander passt. Wir hatten zum Beispiel eine Schwester im Team, die Gitarre spielt und die Patienten mit kleinen Auftritten aufmuntern konnte“, erzählt Dr. Falk Weiß, Ärztlicher Leiter der Klinik.

Zehn Tage lang dauerte die Quarantäne. Zehn Tage, in denen einerseits natürlich vorrangig die Therapie weiterlaufen musste. Und das sogar ziemlich gut, wie sich Dr. Weiß erinnert: „Durch die Situation ist eine ganz besondere Beziehung zwischen den Therapeuten und den Patienten entstanden. In dieser Vertrautheit konnten Patienten zum Beispiel auch über Dinge sprechen, die sie sich sonst vielleicht nicht getraut hätten, zu thematisieren.“ Insofern war das am Ende sogar ein Gewinn für die Therapie.“ Zehn Tage, in denen andererseits die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber auch ihre Freizeit in der Klinik verbrachten, dort schliefen, ihre Mahlzeiten einnahmen. „Wir haben versucht, einen guten Kompromiss aus dem normalen Therapieprogramm, aber auch besonderen Aktivitäten anzubieten, um auch die Motivation bei den Patienten zu wahren“, so Dr. Weiß. In der freien Zeit wurden daher Lagerfeuer, Filmabende und Grillrunden organisiert, die Patienten selbst stellten ganze Turniere in Schach oder Billard auf die Beine.

Doch auch diejenigen, die nicht mit vor Ort waren, waren nicht untätig: Obwohl sich auch viele andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Quarantäne befanden, allerdings zuhause, entspann sich schnell ein unnachahmliches, komplexes Netz an Unterstützung – moralischer, aber auch ganz praktischer Art. Im Home-Office wurden etwa Mundschutze genäht; Angehörige von Mitarbeitenden organisierten Leckereien, brachten Kleidung und Hygieneartikel vorbei – natürlich alles unter strengster Einhaltung der Quarantänebestimmungen. Im Magdalenenstift wurde sogar, mit Unterstützung der Küche der Stadtmission, ein provisorischer Kiosk eingerichtet, wo die Patienten Kleinigkeiten wie Nervennahrung oder Zigaretten kaufen konnten.

„Die Ungewissheit war das Schlimmste“, erinnert sich Suchttherapeutin Janine Geiler zurück. „Nicht zu wissen, was bei den beiden Tests herauskommt und wie es weitergehen würde: Ob nach den zehn Tagen ein Wachwechsel würde stattfinden können, oder ob die Situation auf unbestimmte Zeit so weiterlaufen wird.“ Was dabei geholfen hat, war eindeutig der enge Teamzusammenhalt – es gab häufiger als sonst Besprechungen, außerdem wurde aber auch gemeinsam gefrühstückt und auch mal Sport gemacht. „Es wurde zu keiner Zeit Trübsal geblasen“, stellt Dr. Weiß erleichtert fest. 

Und wenn so ein Fall wieder einmal eintreten sollte? Die Antwort von Janine Geiler ist ganz deutlich „Ich würde das jederzeit wieder machen.“

Unsere Krisenbewältiger - Ein Blick hinter die Kulissen, Teil 3

Die Geduldigen

Im dritten Teil unserer Corona-Portraits haben wir die Partner-Werkstatt in Chemnitz besucht, wo ab Ende März für acht Wochen ein Betretungsverbot für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung die Produktion einschränkte, und für einen komplizierten Spagat zwischen der Produktion für Geschäftspartner und der sozialen Betreuung der Daheimgebliebenen sorgte.

„Die Allgemeinverfügung über das Betretungsverbot unserer Werkstätten hat uns von heute auf morgen erreicht – und aus der Kalten erwischt“, erinnert sich Heiko Wünsche, Leiter der Partner-Werkstatt Chemnitz, jetzt noch mit Schrecken an die Zeit Ende März. Schon vorher haben er und sein Team die Situation genau beobachtet. In den ersten Entscheidungen des Sozialministeriums und der Gremien kamen Werkstätten für Menschen mit Behinderung allerdings überhaupt nicht vor, der Fokus lag allein auf Kitas und Schulen. „Wir hatten nichts, woran wir uns festhalten konnten: Wie mit der Situation umgehen, was passiert seitens der Kostenträger – alles war sehr unklar und wir wussten eine Zeit lang nicht, wie es weitergeht“, erinnert er sich.

Mit dem Betretungsverbot und der Anweisung, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung zuhause bleiben müssen, ging es dann jedoch Schlag auf Schlag: Innerhalb eines Tages mussten rund 200 Telefonate geführt werden, die Köpfe und Ohren des Sozialen Dienstes und der Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter glühten förmlich. Gleichzeitig galt es, die wirtschaftliche Situation abzuschätzen und zu bewerten, immerhin standen die Maschinen eine Zeit lang still. „Wir konnten da aber sehr schnell Kompromisse im Interesse aller Beteiligten finden und haben uns mit unseren Geschäftspartnern gut einigen können, das hat bei beiden Seiten sehr den Druck rausgenommen.“

Mit einem Team aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurden die wichtigsten Aufträge der Industriekunden weiterbearbeitet, dennoch musste man die wirtschaftliche Situation insgesamt als angespannt bezeichnen aufgrund von Aspekten wie reduziertem Auftragsvolumen und Umsatzeinbrüchen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Kurzarbeit, großer Anspannung beim Treffen der richtigen Entscheidungen und der Ungewissheit bezüglich der Zahlung der Kostensätze durch die Kostenträger.

Und was hat diese Situation mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Partner-Werkstatt gemacht? Diese Frage kann Heiko Wünsche ohne zu zögern beantworten: „Wir sind als Team noch viel näher aneinandergerückt. Man konnte sich während dieser Ausnahmesituation untereinander mal aus einem ganz anderen Blickwinkel kennenlernen und auch fachlich über den eigenen Tellerrand blicken.“ Das habe dafür gesorgt, dass man Kolleginnen und Kollegen nochmal ganz anders wertschätzen lernen konnte – und hat bei fast allen für spannende Erkenntnisse gesorgt. Auch die Arbeitsteilung lief ohne Probleme, alle konnten sich bei Fragen und Problemen austauschen und aufeinander verlassen. Ein Fazit, das Heiko Wünsche immer wieder mit Nachdruck und viel Stolz betont: „Jeder hat seinen Beitrag geleistet – dass das so gut funktioniert hat, war am Ende eine Leistung aller.“ Und damit sind auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung gemeint: „Gerade für sie waren diese massiven Veränderungen ja besonders schwer, vor allem diejenigen, die auch noch allein waren und gar keinen sozialen Kontakt mehr hatten. Dass alle so gut mitgezogen haben, hat uns am Ende natürlich allen geholfen“, erzählt Alexander Lippold, Mitarbeiter im Sozialen Dienst der Werkstatt.

Die Freude war bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Behinderung riesig, als sie endlich wieder zurück an ihren Arbeitsplatz durften.
Die Freude war bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Behinderung riesig, als sie endlich wieder zurück an ihren Arbeitsplatz durften.
Auch heute noch ist einiges anders - der Tag beginnt mit Gesundheitsbefragungen, Anwesenheiten werden erfasst.
Auch heute noch ist einiges anders - der Tag beginnt mit Gesundheitsbefragungen, Anwesenheiten werden erfasst.

Acht Wochen dauerte das Betretungsverbot in den Werkstätten an, ab Ende April durften die ersten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung zurück in den Betrieb kommen und ihre Arbeit wiederaufnehmen. Wer das sein sollte, das musste sorgsam abgewogen werden: „Einerseits wurden natürlich diejenigen zuerst zurückgeholt, die essentiell waren für den wirtschaftlichen Betrieb“, erzählt Evelyn Donath vom Sozialen Dienst. „Andererseits mussten wir auch schauen: Wo läuft es Zuhause nicht mehr so gut, wo muss dringend wieder eine Tagesstruktur geschaffen werden, wo konnten wir es aufgrund der gesundheitlichen Einschränkungen verantworten.“ Eine große Verantwortung für den Sozialen Dienst – doch das Wohl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stand die ganze Zeit im Vordergrund. Um den Kontakt zu halten, wurden die Daheimgebliebenen zudem während der ganzen Schließzeit wöchentlich angerufen. „Das war natürlich ein großer Aufwand, aber auch sehr nützlich – fast alle waren sehr dankbar für diese Telefonate“, so Alexander Lippold.

Diese „Rückkehr“ der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung sorgte am Ende des Betretungsverbotes Ende Mai auch für das wohl emotionalste Highlight der Corona-Zeit: Ein lauter Freudenschrei beim Verlassen des Busses, vor lauter Vorfreude auf die Rückkehr an den Arbeitsplatz.

Auch heute noch ist der Alltag in der Partner-Werkstatt ein anderer. Der Tag beginnt mit einer Befragung zum Gesundheitszustand, Mund-Nasen-Bedeckungen werden ausgeteilt, Anwesenheiten werden erfasst. In vielen Bereichen wurden die Arbeitsplätze auseinandergerückt, an jeder Ecke finden sich Desinfektionsmittelspender, Trennwände aus Plexiglas wurden aufgestellt. Soziale Kontakte zwischen allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurden reduziert. Und alle nehmen diese Veränderungen geduldig an, in dem Bewusstsein, Verantwortung für die eigene Gesundheit und die der anderen zu tragen. Wir sind zuversichtlich, dass es jetzt wieder aufwärtsgeht.

Unsere Krisenbewältiger - Ein Blick hinter die Kulissen, Teil 2

Mirjam, die Virenkillerin

Korrektes Händewaschen, Hust- und Niesetikette, Händeschüttelverbot – seit Mitte März plötzlich in aller Munde. Und obwohl Hygiene auch abseits einer Pandemie bei der Stadtmission ein wichtiges Thema ist, kamen mit Corona im März völlig neue Herausforderungen auf Mirjam Kaufmann, Hygienebeauftragte in der Stadtmission Chemnitz, zu. Eine davon, gemeinsam mit Schutzmittelversorger Norman Dittmann: Mundschutz und Desinfektionsmittel besorgen – und das auch noch möglichst zu bezahlbaren Preisen.

Normalerweise kümmern Sie sich um die Hygiene in den Senioreneinrichtungen der Stadtmission – was hat Corona an Ihrem Arbeitsalltag verändert?

Schon Anfang März gab es im Haus eine interne Informationsveranstaltung zur damals gerade erst anlaufenden Corona-Pandemie, das war sozusagen der „Startschuss“ für mich. Für diesen Termin habe ich umfangreiche Schulungsunterlagen erstellt. Außerdem habe ich zu diesem Zeitpunkt schon die Bestände an Schutzmaterialien und Desinfektionsmittel in den Häusern überprüft und angefangen, überall wo es nötig war, auch nachzurüsten. Ich habe unsere Einrichtungen mit Desinfektionsmitteln ausgestattet und einen Desinfektionsplan als Leitfaden erstellt, der dann jeweils an die speziellen Bedürfnisse angepasst werden konnte. Außerdem haben wir uns um Pandemiepläne gekümmert, die jeweils von den Häusern als Vorlage genutzt wurden.

Was war daran die größte Herausforderung?

Durch das plötzliche Hereinbrechen der Pandemie hatte ich plötzlich auch mit Kolleginnen und Kollegen zu tun, die sonst nur wenig mit Desinfektionsplänen in Berührung kommen. Einige waren sehr verunsichert und ich konnte ihnen die Angst nehmen. Alle haben sich auf mich verlassen, auch das setzt einen natürlich schon unter Druck. Trotzdem habe ich versucht, die Ruhe zu bewahren und diese auch an die Kolleginnen und Kollegen weiterzugeben. Immerhin habe ja auch noch eine zweite Aufgabe, die Koordination und Betreuung der Auszubildenden. Auch das hat Corona sehr verkompliziert, wir konnten nur telefonisch in Kontakt bleiben und ich hatte gefühlt viel zu wenig Zeit für alle. Trotzdem musste es ja laufen – und es lief auch.

Was lief besonders gut in der Zeit?

Es gab ein regelmäßiges Corona-Update von der Geschäftsleitung, das fand ich sehr gut, weil wir dadurch schnell und tagesaktuell viele Informationen bekommen haben. Das hat sehr dabei geholfen, mich sicherer zu fühlen.

Im Matthias-Claudius-Haus hatten wir außerdem täglich Dienstberatungen – es herrschte bei allen sehr viel Unsicherheit und die vermehrten Beratungen haben sehr dabei geholfen, diese zu minimieren. Die Kommunikation intern war generell die ganze Zeit über sehr gut: Sowohl zwischen den Hausleitern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im MCH, aber auch zwischen den Hausleitern der vier Häuser.

Der fachliche Austausch über die eigenen Arbeitsgrenzen hinaus und sogar virtuelle Dienstrunden zu Hygiene waren eine richtig hilfreiche Entwicklung.

Was hat Ihnen dabei geholfen, diese intensive Zeit zu überstehen?

Ich habe immer versucht, das Positive aus dem Ganzen zu ziehen – also etwa den guten Zusammenhalt zwischen den Kolleginnen und Kollegen, auch mit denen, mit denen man sonst eigentlich nicht so viel zu tun hat, oder den neu entstandenen Austausch. Es gab von allen Seiten unheimlich viel Zuspruch gegenseitig, alle haben sich motiviert und ihre Emotionen miteinander geteilt. Das war wirklich schön.

Und auch das war schön: ich hatte während der Zeit auch viel Kontakt zu den Bewohnerinnen und Bewohnern, habe ihnen viel erklärt und den Kolleginnen und Kollegen im Haus geholfen, ihnen die Maßnahmen näher zu bringen. Die meisten waren froh über die Regeln und haben uns viel Verständnis entgegengebracht, fast alle Bewohnerinnen und Bewohner haben den massiven Aufwand gesehen und auch gewürdigt – dieser Zuspruch tat richtig gut.

Vielen Dank für das Gespräch!

Unsere Krisenbewältiger – Ein Blick hinter die Kulissen, Teil 1

„Ja, so kennt man mich!“, sagt er, als wir ihm das Foto zeigen: Michael an einem seiner Arbeitsplätze, der Essensausgabe in der Bahnhofsmission.
„Ja, so kennt man mich!“, sagt er, als wir ihm das Foto zeigen: Michael an einem seiner Arbeitsplätze, der Essensausgabe in der Bahnhofsmission.
Noch Ende Mai gab es das Essen an einer improvisierten Ausgabe am Eingang der Bahnhofsmission.
Noch Ende Mai gab es das Essen an einer improvisierten Ausgabe am Eingang der Bahnhofsmission.

Michael, der Zuhörer

Michael Richter (47), arbeitet seit knapp vier Jahren im Tagestreff „Haltestelle“, seit 3 Monaten zusätzlich in der Bahnhofsmission – und kümmert sich dort, so sagt er selbst, um „alles, was so anfällt“. Während der Hochphase der Corona-Pandemie war er einer derjenigen, die den Alltag in der Wohnungsnotfallhilfe aufrechterhalten haben und hatte auch in dieser schweren Zeit immer ein offenes Ohr für Klientinnen und Klienten. Wir haben ihn in der Bahnhofsmission besucht und zu seiner Arbeit in den vergangenen Monaten befragt.

Was war für Sie die größte Herausforderung während der Corona-Zeit?

Das waren eindeutig die vielen Vorschriften, Hygieneregeln und die große Frage, wie man das alles am besten umsetzen kann. Mit den Klientinnen und Klienten war das vor allem am Anfang ziemlich anstrengend – viele konnten oder wollten die Einschränkungen der Öffnungszeiten nicht einsehen und wir mussten sie täglich mehrmals auf die neuen Regelungen hinweisen.

Und was lief besonders gut in der Zeit?

In der Bahnhofsmission gab es während der Hochphase nur Essen an einer Ausgabe vor der Tür, das war ungewohnt, aber hat super funktioniert. Dafür hatten auch fast alle Verständnis. Auch jetzt haben wir dort nur eine begrenzte Platzzahl wegen der Abstandsregelungen. Die Klientinnen und Klienten haben sich daran gewöhnt und kommen gestaffelt zum Essen, das klappt.

Etwas ganz Besonderes war aber unsere Arbeit im Team. Wir haben in der Wohnungsnotfallhilfe von vornherein super funktioniert, wir sind gut eingespielt miteinander. Man konnte sich zu jeder Zeit gegenseitig aufeinander verlassen. Das hat mir besonders gut gefallen.

Und was lief nicht so gut?

Während dieser Zeit wurde ich schon auch mal beschimpft, warum der Tagestreff noch nicht wieder auf ist, obwohl beispielsweise Restaurants schon wieder öffnen durften. Das war schon schwierig für mich. Und auch aktuell gibt es im Tagestreff noch weniger Tische, weshalb nur Menschen ohne Wohnung zum Essen kommen können – alle anderen fragen fast täglich, wann sie wiederkommen dürfen.

Was hat Ihnen dabei geholfen, den großen Arbeitsaufwand zu meistern?

Ich wusste, wofür ich das alles mache. Viele wussten ja gar nicht, wohin sie gehen können, zum Beispiel waren alle öffentlichen Toiletten durch die Stadt Chemnitz verschlossen. Ich wusste also, warum ich dort stehe und warum ich dieses große Arbeitsaufkommen bewältige – das hat mir sehr geholfen. Außerdem gab es eine Zeit lang ein sehr hohes Spendenaufkommen, ich konnte oft richtig schöne Dinge rausgeben, die es sonst nicht andauernd gibt. Das war auch ein schönes Gefühl, die große Freude bei den Klientinnen und Klienten zu sehen.

Mir hat auch mein gutes Verhältnis zu den meisten Klientinnen und Klienten sehr geholfen. Ich habe mit den meisten eine sehr gute Vertrauensbasis und für alle immer ein offenes Ohr. Da kann man ganz anders miteinander kommunizieren, auch wenn man manche Dinge zehn bis zwanzig Mal erklären muss.

Was wollen Sie unbedingt noch sagen?

Ich möchte ein großes Dankeschön an das ganze Team sagen – es haben die ganze Zeit über alle total gut durchgezogen, auch unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen. Alle wollten unbedingt helfen.

Vielen Dank für das Gespräch!