Portraitreihe über unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre Arbeit auch in Krisenzeiten meistern.

Portraitreihe über unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre Arbeit auch in Krisenzeiten meistern.

Unsere Krisenbewältiger

Portraitreihe über unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre Arbeit auch in Krisenzeiten meistern.

Unsere Krisenbewältiger - Ein Blick hinter die Kulissen, Teil 3

Die Geduldigen

Im dritten Teil unserer Corona-Portraits haben wir die Partner-Werkstatt in Chemnitz besucht, wo ab Ende März für acht Wochen ein Betretungsverbot für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung die Produktion einschränkte, und für einen komplizierten Spagat zwischen der Produktion für Geschäftspartner und der sozialen Betreuung der Daheimgebliebenen sorgte.

„Die Allgemeinverfügung über das Betretungsverbot unserer Werkstätten hat uns von heute auf morgen erreicht – und aus der Kalten erwischt“, erinnert sich Heiko Wünsche, Leiter der Partner-Werkstatt Chemnitz, jetzt noch mit Schrecken an die Zeit Ende März. Schon vorher haben er und sein Team die Situation genau beobachtet. In den ersten Entscheidungen des Sozialministeriums und der Gremien kamen Werkstätten für Menschen mit Behinderung allerdings überhaupt nicht vor, der Fokus lag allein auf Kitas und Schulen. „Wir hatten nichts, woran wir uns festhalten konnten: Wie mit der Situation umgehen, was passiert seitens der Kostenträger – alles war sehr unklar und wir wussten eine Zeit lang nicht, wie es weitergeht“, erinnert er sich.

Mit dem Betretungsverbot und der Anweisung, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung zuhause bleiben müssen, ging es dann jedoch Schlag auf Schlag: Innerhalb eines Tages mussten rund 200 Telefonate geführt werden, die Köpfe und Ohren des Sozialen Dienstes und der Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter glühten förmlich. Gleichzeitig galt es, die wirtschaftliche Situation abzuschätzen und zu bewerten, immerhin standen die Maschinen eine Zeit lang still. „Wir konnten da aber sehr schnell Kompromisse im Interesse aller Beteiligten finden und haben uns mit unseren Geschäftspartnern gut einigen können, das hat bei beiden Seiten sehr den Druck rausgenommen.“

Mit einem Team aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurden die wichtigsten Aufträge der Industriekunden weiterbearbeitet, dennoch musste man die wirtschaftliche Situation insgesamt als angespannt bezeichnen aufgrund von Aspekten wie reduziertem Auftragsvolumen und Umsatzeinbrüchen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Kurzarbeit, großer Anspannung beim Treffen der richtigen Entscheidungen und der Ungewissheit bezüglich der Zahlung der Kostensätze durch die Kostenträger.

Und was hat diese Situation mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Partner-Werkstatt gemacht? Diese Frage kann Heiko Wünsche ohne zu zögern beantworten: „Wir sind als Team noch viel näher aneinandergerückt. Man konnte sich während dieser Ausnahmesituation untereinander mal aus einem ganz anderen Blickwinkel kennenlernen und auch fachlich über den eigenen Tellerrand blicken.“ Das habe dafür gesorgt, dass man Kolleginnen und Kollegen nochmal ganz anders wertschätzen lernen konnte – und hat bei fast allen für spannende Erkenntnisse gesorgt. Auch die Arbeitsteilung lief ohne Probleme, alle konnten sich bei Fragen und Problemen austauschen und aufeinander verlassen. Ein Fazit, das Heiko Wünsche immer wieder mit Nachdruck und viel Stolz betont: „Jeder hat seinen Beitrag geleistet – dass das so gut funktioniert hat, war am Ende eine Leistung aller.“ Und damit sind auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung gemeint: „Gerade für sie waren diese massiven Veränderungen ja besonders schwer, vor allem diejenigen, die auch noch allein waren und gar keinen sozialen Kontakt mehr hatten. Dass alle so gut mitgezogen haben, hat uns am Ende natürlich allen geholfen“, erzählt Alexander Lippold, Mitarbeiter im Sozialen Dienst der Werkstatt.

Die Freude war bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Behinderung riesig, als sie endlich wieder zurück an ihren Arbeitsplatz durften.
Die Freude war bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Behinderung riesig, als sie endlich wieder zurück an ihren Arbeitsplatz durften.
Auch heute noch ist einiges anders - der Tag beginnt mit Gesundheitsbefragungen, Anwesenheiten werden erfasst.
Auch heute noch ist einiges anders - der Tag beginnt mit Gesundheitsbefragungen, Anwesenheiten werden erfasst.

Acht Wochen dauerte das Betretungsverbot in den Werkstätten an, ab Ende April durften die ersten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung zurück in den Betrieb kommen und ihre Arbeit wiederaufnehmen. Wer das sein sollte, das musste sorgsam abgewogen werden: „Einerseits wurden natürlich diejenigen zuerst zurückgeholt, die essentiell waren für den wirtschaftlichen Betrieb“, erzählt Evelyn Donath vom Sozialen Dienst. „Andererseits mussten wir auch schauen: Wo läuft es Zuhause nicht mehr so gut, wo muss dringend wieder eine Tagesstruktur geschaffen werden, wo konnten wir es aufgrund der gesundheitlichen Einschränkungen verantworten.“ Eine große Verantwortung für den Sozialen Dienst – doch das Wohl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stand die ganze Zeit im Vordergrund. Um den Kontakt zu halten, wurden die Daheimgebliebenen zudem während der ganzen Schließzeit wöchentlich angerufen. „Das war natürlich ein großer Aufwand, aber auch sehr nützlich – fast alle waren sehr dankbar für diese Telefonate“, so Alexander Lippold.

Diese „Rückkehr“ der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung sorgte am Ende des Betretungsverbotes Ende Mai auch für das wohl emotionalste Highlight der Corona-Zeit: Ein lauter Freudenschrei beim Verlassen des Busses, vor lauter Vorfreude auf die Rückkehr an den Arbeitsplatz.

Auch heute noch ist der Alltag in der Partner-Werkstatt ein anderer. Der Tag beginnt mit einer Befragung zum Gesundheitszustand, Mund-Nasen-Bedeckungen werden ausgeteilt, Anwesenheiten werden erfasst. In vielen Bereichen wurden die Arbeitsplätze auseinandergerückt, an jeder Ecke finden sich Desinfektionsmittelspender, Trennwände aus Plexiglas wurden aufgestellt. Soziale Kontakte zwischen allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurden reduziert. Und alle nehmen diese Veränderungen geduldig an, in dem Bewusstsein, Verantwortung für die eigene Gesundheit und die der anderen zu tragen. Wir sind zuversichtlich, dass es jetzt wieder aufwärtsgeht.

Unsere Krisenbewältiger - Ein Blick hinter die Kulissen, Teil 2

Mirjam, die Virenkillerin

Unsere Krisenbewältiger – Ein Blick hinter die Kulissen, Teil 2

Mirjam, die Virenkillerin

Korrektes Händewaschen, Hust- und Niesetikette, Händeschüttelverbot – seit Mitte März plötzlich in aller Munde. Und obwohl Hygiene auch abseits einer Pandemie bei der Stadtmission ein wichtiges Thema ist, kamen mit Corona im März völlig neue Herausforderungen auf Mirjam Kaufmann, Hygienebeauftragte in der Stadtmission Chemnitz, zu. Eine davon, gemeinsam mit Schutzmittelversorger Norman Dittmann: Mundschutz und Desinfektionsmittel besorgen – und das auch noch möglichst zu bezahlbaren Preisen.

Normalerweise kümmern Sie sich um die Hygiene in den Senioreneinrichtungen der Stadtmission – was hat Corona an Ihrem Arbeitsalltag verändert?

Schon Anfang März gab es im Haus eine interne Informationsveranstaltung zur damals gerade erst anlaufenden Corona-Pandemie, das war sozusagen der „Startschuss“ für mich. Für diesen Termin habe ich umfangreiche Schulungsunterlagen erstellt. Außerdem habe ich zu diesem Zeitpunkt schon die Bestände an Schutzmaterialien und Desinfektionsmittel in den Häusern überprüft und angefangen, überall wo es nötig war, auch nachzurüsten. Ich habe unsere Einrichtungen mit Desinfektionsmitteln ausgestattet und einen Desinfektionsplan als Leitfaden erstellt, der dann jeweils an die speziellen Bedürfnisse angepasst werden konnte. Außerdem haben wir uns um Pandemiepläne gekümmert, die jeweils von den Häusern als Vorlage genutzt wurden.

Was war daran die größte Herausforderung?

Durch das plötzliche Hereinbrechen der Pandemie hatte ich plötzlich auch mit Kolleginnen und Kollegen zu tun, die sonst nur wenig mit Desinfektionsplänen in Berührung kommen. Einige waren sehr verunsichert und ich konnte ihnen die Angst nehmen. Alle haben sich auf mich verlassen, auch das setzt einen natürlich schon unter Druck. Trotzdem habe ich versucht, die Ruhe zu bewahren und diese auch an die Kolleginnen und Kollegen weiterzugeben. Immerhin habe ja auch noch eine zweite Aufgabe, die Koordination und Betreuung der Auszubildenden. Auch das hat Corona sehr verkompliziert, wir konnten nur telefonisch in Kontakt bleiben und ich hatte gefühlt viel zu wenig Zeit für alle. Trotzdem musste es ja laufen – und es lief auch.

Was lief besonders gut in der Zeit?

Es gab ein regelmäßiges Corona-Update von der Geschäftsleitung, das fand ich sehr gut, weil wir dadurch schnell und tagesaktuell viele Informationen bekommen haben. Das hat sehr dabei geholfen, mich sicherer zu fühlen.

Im Matthias-Claudius-Haus hatten wir außerdem täglich Dienstberatungen – es herrschte bei allen sehr viel Unsicherheit und die vermehrten Beratungen haben sehr dabei geholfen, diese zu minimieren. Die Kommunikation intern war generell die ganze Zeit über sehr gut: Sowohl zwischen den Hausleitern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im MCH, aber auch zwischen den Hausleitern der vier Häuser.

Der fachliche Austausch über die eigenen Arbeitsgrenzen hinaus und sogar virtuelle Dienstrunden zu Hygiene waren eine richtig hilfreiche Entwicklung.

Was hat Ihnen dabei geholfen, diese intensive Zeit zu überstehen?

Ich habe immer versucht, das Positive aus dem Ganzen zu ziehen – also etwa den guten Zusammenhalt zwischen den Kolleginnen und Kollegen, auch mit denen, mit denen man sonst eigentlich nicht so viel zu tun hat, oder den neu entstandenen Austausch. Es gab von allen Seiten unheimlich viel Zuspruch gegenseitig, alle haben sich motiviert und ihre Emotionen miteinander geteilt. Das war wirklich schön.

Und auch das war schön: ich hatte während der Zeit auch viel Kontakt zu den Bewohnerinnen und Bewohnern, habe ihnen viel erklärt und den Kolleginnen und Kollegen im Haus geholfen, ihnen die Maßnahmen näher zu bringen. Die meisten waren froh über die Regeln und haben uns viel Verständnis entgegengebracht, fast alle Bewohnerinnen und Bewohner haben den massiven Aufwand gesehen und auch gewürdigt – dieser Zuspruch tat richtig gut.

Vielen Dank für das Gespräch!

Unsere Krisenbewältiger – Ein Blick hinter die Kulissen, Teil 1

„Ja, so kennt man mich!“, sagt er, als wir ihm das Foto zeigen: Michael an einem seiner Arbeitsplätze, der Essensausgabe in der Bahnhofsmission.
„Ja, so kennt man mich!“, sagt er, als wir ihm das Foto zeigen: Michael an einem seiner Arbeitsplätze, der Essensausgabe in der Bahnhofsmission.
Noch Ende Mai gab es das Essen an einer improvisierten Ausgabe am Eingang der Bahnhofsmission.
Noch Ende Mai gab es das Essen an einer improvisierten Ausgabe am Eingang der Bahnhofsmission.

Michael, der Zuhörer

Michael Richter (47), arbeitet seit knapp vier Jahren im Tagestreff „Haltestelle“, seit 3 Monaten zusätzlich in der Bahnhofsmission – und kümmert sich dort, so sagt er selbst, um „alles, was so anfällt“. Während der Hochphase der Corona-Pandemie war er einer derjenigen, die den Alltag in der Wohnungsnotfallhilfe aufrechterhalten haben und hatte auch in dieser schweren Zeit immer ein offenes Ohr für Klientinnen und Klienten. Wir haben ihn in der Bahnhofsmission besucht und zu seiner Arbeit in den vergangenen Monaten befragt.

Was war für Sie die größte Herausforderung während der Corona-Zeit?

Das waren eindeutig die vielen Vorschriften, Hygieneregeln und die große Frage, wie man das alles am besten umsetzen kann. Mit den Klientinnen und Klienten war das vor allem am Anfang ziemlich anstrengend – viele konnten oder wollten die Einschränkungen der Öffnungszeiten nicht einsehen und wir mussten sie täglich mehrmals auf die neuen Regelungen hinweisen.

Und was lief besonders gut in der Zeit?

In der Bahnhofsmission gab es während der Hochphase nur Essen an einer Ausgabe vor der Tür, das war ungewohnt, aber hat super funktioniert. Dafür hatten auch fast alle Verständnis. Auch jetzt haben wir dort nur eine begrenzte Platzzahl wegen der Abstandsregelungen. Die Klientinnen und Klienten haben sich daran gewöhnt und kommen gestaffelt zum Essen, das klappt.

Etwas ganz Besonderes war aber unsere Arbeit im Team. Wir haben in der Wohnungsnotfallhilfe von vornherein super funktioniert, wir sind gut eingespielt miteinander. Man konnte sich zu jeder Zeit gegenseitig aufeinander verlassen. Das hat mir besonders gut gefallen.

Und was lief nicht so gut?

Während dieser Zeit wurde ich schon auch mal beschimpft, warum der Tagestreff noch nicht wieder auf ist, obwohl beispielsweise Restaurants schon wieder öffnen durften. Das war schon schwierig für mich. Und auch aktuell gibt es im Tagestreff noch weniger Tische, weshalb nur Menschen ohne Wohnung zum Essen kommen können – alle anderen fragen fast täglich, wann sie wiederkommen dürfen.

Was hat Ihnen dabei geholfen, den großen Arbeitsaufwand zu meistern?

Ich wusste, wofür ich das alles mache. Viele wussten ja gar nicht, wohin sie gehen können, zum Beispiel waren alle öffentlichen Toiletten durch die Stadt Chemnitz verschlossen. Ich wusste also, warum ich dort stehe und warum ich dieses große Arbeitsaufkommen bewältige – das hat mir sehr geholfen. Außerdem gab es eine Zeit lang ein sehr hohes Spendenaufkommen, ich konnte oft richtig schöne Dinge rausgeben, die es sonst nicht andauernd gibt. Das war auch ein schönes Gefühl, die große Freude bei den Klientinnen und Klienten zu sehen.

Mir hat auch mein gutes Verhältnis zu den meisten Klientinnen und Klienten sehr geholfen. Ich habe mit den meisten eine sehr gute Vertrauensbasis und für alle immer ein offenes Ohr. Da kann man ganz anders miteinander kommunizieren, auch wenn man manche Dinge zehn bis zwanzig Mal erklären muss.

Was wollen Sie unbedingt noch sagen?

Ich möchte ein großes Dankeschön an das ganze Team sagen – es haben die ganze Zeit über alle total gut durchgezogen, auch unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen. Alle wollten unbedingt helfen.

Vielen Dank für das Gespräch!